Druckansicht US-Ostküste: Wohlstand und Chancen
Hier konzentriert sich ein grosser Teil der amerikanischen Vermögen und Gewinne. Diese äusserst dynamische Region spielt eine zentrale Rolle in der US-Wirtschaft.
Der auch unter dem Namen „BosWash-Megalopolis” bekannte Teil Amerikas erstreckt sich entlang der Atlantikküste von Boston im Norden bis nach Washington im Süden. Hier befinden sich bedeutende Städte wie New York und Philadelphia, aber auch Manchester, Springfield, Stamford und Baltimore. Die Bezeichnung Megalopolis (Ballungsgebiet) für die Region geht auf das gleichnamige Buch des französischen Geografen Jean Gottman aus dem Jahr 1961 zurück. Es gibt drei Megalopolen auf der Welt: die eine an der US-Ostküste, eine andere in Japan zwischen Tokio und Osaka. Die dritte liegt in Europa und bildet einen Bogen vom Londoner Becken in Südengland bis nach Norditalien, der landläufig als „blaue Banane“ bezeichnet wird.
Die 800 Kilometer lange Ostküste wuchs in den 1960er Jahren. Heute ist sie stark urbanisiert und von einer aussergewöhnlichen wirtschaftlichen Dynamik geprägt. Sie erzielt eine Wertschöpfung von 20% des Bruttoinlandsprodukts der USA (13.132 Milliarden USD im Jahr 2007) und wäre als einzelnes Land die viert- oder fünftgrösste Wirtschaftsmacht der Erde.
Fokus auf Dienstleistungen und Finanzen
Die Unternehmen an der Ostküste sind hauptsächlich im Dienstleistungs- und Finanzsektor tätig. Viele Fernsehgesellschaften und grosse Zeitungsverlage haben hier ihre Firmenzentrale, ebenso die beiden Wertpapierbörsen mit den grössten Handelsvolumen der Welt – New York Stock Exchange und NASDAQ – sowie viele Finanzinstitute. Über die Hälfte der Bank- und Versicherungsmitarbeiter der USA arbeiten im BosWash-Korridor.
Heimat weltberühmter Unternehmen
Mit ihrem attraktiven Umfeld hat die BosWash-Region viele bekannte internationale Unternehmen angezogen, um sich hier mit ihren Hauptquartieren niederzulassen. Das Spektrum der Branchen reicht dabei von Industriekonzernen über IT und Pharma bis hin zu Lebensmitteln und Rüstung.
In den USA entfallen 78% der Beschäftigung und 75% des BIP auf den Dienstleistungssektor, die Industrie beschäftigt 20% der Arbeitskräfte. Das Verhältnis an der Ostküste ist ähnlich, mit Ausnahme von Pennsylvania, das den fünftgrössten industriellen Beschäftigungsanteil (über 700.000 Arbeitskräfte) aller US-Bundesstaaten besitzt.
USA, der grösste Importeur der Welt
Die US-Wirtschaft verzeichnete zwar im Jahr 2007 einen Wachstumsrückgang von 3,1% auf 2,2% und die Arbeitslosigkeit erreichte im ersten Quartal 2008 mit 5,1% die höchste Quote seit September 2005. Trotz dieser leichten Abflachung besetzt das Land in der Weltrangliste des International Institute for Management Development den ersten Platz bei der Wettbewerbsfähigkeit. Tatsächlich sind die Vereinigten Staaten der weltgrösste Importeur (2.333 Milliarden US$ im Jahr 2007, +5,9%) und der zweitgrösste Exporteur nach Deutschland (1.622 Milliarden US$, +12,2%). Das US-Aussenhandelsdefizit belief sich im letzten Jahr auf 712 Milliarden US$.
Die wichtigsten Exportgüter sind Industrieausrüstung (Transistoren, Flugzeuge, Fahrzeugteile usw.), Konsumgüter (Arzneimittel, Automobile usw.) und Lebensmittelprodukte. Wohin gehen die Exporte? Hauptsächlich nach Kanada (21,4%), dem bedeutendsten Handelspartner der USA, gefolgt von Mexiko (11,7%), China und Japan, aber auch nach Europa und hier vor allem nach Grossbritannien (4,3%) und Deutschland (4,3%). Auf die Europäische Union entfallen 23% der US-Exporte. Die Ostküste trägt als bedeutender Hersteller von z. B. High-Tech-Anlagen und Medikamenten massgeblich zu diesen Exporten bei.
Die wichtigsten Einfuhrprodukte sind Konsumgüter (Automobile, Kleidung usw.) sowie Investitionsgüter (Computer, Kommunikationsgeräte usw.) aus China (16,9%), Kanada (15,7%), Mexiko und Japan. Der führende europäische Handelspartner der Vereinigten Staaten ist Deutschland (mit 4,8% aller Importe). Die Einfuhren aus der Europäischen Union betragen 18,5% der gesamten US-Importe. Gross ist auch die Bedeutung der Öl produzierenden Länder mit 12%, da die USA weltweit der grösste Importeur von Treibstoffen sind.
Quellen:
U.S. Bureau of Economic Analysis
CIA World Factbook
Bureau of Labor Statistics
U.S. Census Bureau
U.S. Department of Commerce

